Brauchen Menschen ihre schlechten Angewohnheiten zur Beschäftigung_Brauchen Menschen ihre schlechten Angewohnheiten zur Beschäftigung_Frau mit Rotem Pullover auf Strasse vor Treppe

Brauchen Menschen ihre schlechten Angewohnheiten zur Beschäftigung?

Technik im Alltag

Heutzutage ist es für fast alle Menschen kaum mehr wegzudenken. Es macht uns clever, mutig, schlauer, schöner, schneller, unabhängig und abhängig zugleich. In Sekunden ist der Wocheneinkauf erledigt, das Foto retuschieren, das Date verabredet, die Antwort auf Google gefunden, der Vortrag mit Wikipedia geschrieben, die Kleider für die Party gekauft und die Reise nach London gebucht.

Smartphones als ständige Begleiter

Das Smartphone würde von vielen Menschen für keinen Preis der Welt mehr hergegeben werden. Egal wo wir sind, wir fummeln mit unseren Fingern immer an dem Ding rum. Wir sind nie alleine und haben unseren ständigen Begleiter immer dabei. Wir stehen nicht nur einer Bushaltestelle, sondern wir wirken beschäftigt. Wir sitzen nicht nur auf einer Bank und denken nach, denn wir müssen beschäftigt wirken. Wenn wir eine Person sehen, die einfach nur sitzt, dann fragen wir uns: “Hat sie ihr Leben nicht im Griff? Fehlt ihr etwas? Ist sie traurig?”

Einfach nur Warten

Man stelle sich vor, dass es früher tatsächlich Menschen gab, die einfach nur auf den Bus warteten. Sie standen da, dachten nach und warteten tatsächlich, bis der Bus kam. Nein, es fehlte ihnen nichts. Tatsächlich kam es sogar manchmal zu amüsanten, zufälligen und spannenden Gesprächen von Mensch zu Mensch.

Der beschäftigte Mensch

Doch gab es wirklich eine Zeit, in der wir nicht versuchten aus der “unbeschäftigten” Realität zu flüchten? Gab es eine Zeit, in welcher der eigene Gedanke spannender war, als die Frage, was der fremde Andere über mich denkt? Offensichtlich hat der Mensch den ständigen Drang sich nach aussen beschäftigt zu zeigen, denn das unsichtbare Denken sieht der blinde Mensch nicht.

Wir lesen, wir verarbeiten, wir vergessen.

Das Lesen einer Zeitung war kaum ein zwanghafter Versuch zur Flucht. Sie ist informativ, bringt Frau und Mann auf den neusten Stand und sind wir ehrlich, das Lesen ist eine unglaublich sinnvolle, bildende Beschäftigung. Sind wir durch das Smartphone und das damit verbundene ständige Lesen gebildeter als früher? Wir lesen, jedoch nur kleinste Mengen von Text. Was wir eben gelesen haben, ist 1 Minute später bereits unwichtig. Wir sprechen beim heutigen Lesen kaum von einer grossartigen Denk-, Gedächtnis oder Konzentrations-Leistung. Wir lesen, verarbeiten und vergessen innerhalb kürzester Zeit. Einen ganzen Zeitungsartikel zu lesen oder gar den Anfang eines Buchs noch zu kennen, ist (trotz des vielen Lesens und Schreibens in der heutigen Zeit) eine angesehene Leistung. Wir wissen vielleicht mehr, aber man sollte sich fragen ob “wir” oder das “kleine Ding” es wirklich weiss.

Der Mensch und sein Konsum

Die Welt dreht sich immer schneller, immer bunter und immer länger. Wir leben in ständiger Beobachtung und werden täglich von allen Seiten mit Meinungen, Ideen, Werbung, bewusster und unterbewusster Beeinflussung konfrontiert. Wir konsumieren und zwar ständig. Die Beeinflussung von allen Seiten ist kaum mehr spürbar, da wir sie nicht mehr aktiv wahrnehmen. Wir treiben in einem Fluss, welcher durch Werbung und Wirtschaft gefärbt wird. Können wir uns überhaupt noch sicher sein, dass “unsere Gedanken” wirklich nur und ausschliesslich unsere eigener Produktion entstammen?

Handy als Ersatz fürs Rauchen

Früher hatte man kein Handy, welches als “Alibi Beschäftigung” beim Warten genutzt werden konnte. Man stand am Morgen auf und begann nicht mit dem hektischen Checken von Nachrichten, E-Mails und News, sondern verspürte das Verlangen nach einem Kaffee/Tee. Bei vielen Leuten begann spätestens nach dem Kaffee die Lust auf eine Zigarette. Das Rauchen war der perfekte Lückenfüller im Alltag. Man hatte also auch früher seinen ständigen Begleiter und fühlte sich weder alleine noch unterbeschäftigt. Zudem regt auch die sündige Zigarette die Kommunikation an und dies sogar in der realen Welt. Wie oft wird ein harmloser Flirt oder ein amüsantes Gespräch mit der Frage nach einem Feuerzeug begonnen. Ist die Zigarette wirklich so anders als das Smartphone? Oder stürzen wir uns von einer in die nächste Sucht?

Ein beschäftigter Mensch ist ein erfolgreicher Mensch.

Schlussendlich ist der Mensch ein Wesen, welches viel Wert auf die Meinung anderer Mitmenschen legt. Durch das ständige Konsumieren wirken wir beschäftigt und somit erfolgreicher, als wenn wir “nur sitzen” oder “nur stehen”. Die Auszeit ist in unserem hektischen, schnellen Alltag eine Seltenheit geworden. Von machen Menschen wird das “Pausieren Anderer” regelrecht angestarrt als hätten sie ein Einhorn gesehen. Wenn wir das nächste Mal einen Menschen sehen, der gerade aus unserer stressigen Welt entflieht, indem er sich nicht der Musik, dem Rauchen oder dem Smartphone hingibt, sollte dem nicht mit Entsetzung, sondern Bewunderung gegenüber getreten werden.

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